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Name: Georgi Walentinowitsch Plechanow
Geburtsjahr: 1856
Nationalität: Russisch
Beruf: Politiker und Philosoph
Bedeutung: Er gilt als einer der Väter des russischen Marxismus.
Georgi Walentinowitsch Plechanow: Der Vater des russischen Marxismus
Georgi Walentinowitsch Plechanow wurde am 29. November 1856 in der Stadt Gudermes, die zum damaligen Russischen Reich gehörte, geboren. Er gilt als einer der bedeutendsten politischen Denker und Philosophen des 19. Jahrhunderts in Russland. Plechanow, der oft als "Vater des russischen Marxismus" bezeichnet wird, spielte eine entscheidende Rolle in der Einführung und Verbreitung marxistischer Theorien in Russland.
In seiner Jugend war Plechanow ein aktives Mitglied der revolutionären Bewegung, was ihn schließlich in Konflikt mit der Zarenregierung brachte. Er wurde 1880 verhaftet und verbrachte einige Zeit im Exil, was seine politischen Ideen und Aktivitäten prägte. Während seines Aufenthalts in Westeuropa, insbesondere in der Schweiz, kam er mit den führenden marxistischen Denkern seiner Zeit in Kontakt, darunter Karl Kautsky und Friedrich Engels.
Die erste große Veröffentlichung von Plechanow, "Die Entwicklungsstufen des Marxismus", erschien 1895 und stellte einen wichtigen Beitrag zur marxistischen Theorie dar. In diesem Werk argumentierte er für die Notwendigkeit, die Prinzipien des Marxismus an die spezifischen Bedingungen der russischen Realität anzupassen. Plechanow war überzeugt, dass der soziale Wandel in Russland nicht nur durch revolutionäre Aktionen, sondern auch durch die Bildung der Arbeiterklasse und deren politisches Bewusstsein erreicht werden könne.
Plechanows Ansatz zur marxistischen Theorie war von einem tiefen Verständnis für die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen seiner Zeit geprägt. Er war ein Verfechter der Idee, dass der Marxismus nicht als dogmatisches System betrachtet werden sollte, sondern als dynamische Theorie, die sich weiterentwickeln kann, um neuen Herausforderungen zu begegnen. Dies machte ihn zu einer Schlüsselperson in der russischen sozialistischen Bewegung.
Er war auch ein Mitbegründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) im Jahr 1898, die später in die Bolschewiki und Menschewiki auseinanderfiel. Plechanow identifizierte sich stärker mit den Menschewiki, einer Fraktion, die auf die Zusammenarbeit mit anderen politischen Kräften setzte und die Ansicht vertrat, dass die Revolution in Russland schrittweise und nicht abrupt erfolgen sollte.
Mit dem Aufstieg der Bolschewiki und der Oktoberrevolution von 1917 nahm Plechanow eine kritische Haltung gegenüber Lenin und den Bolschewiki ein. Er glaubte, dass die radikalen Veränderungen, die sie anstrebten, nicht im besten Interesse der Bevölkerung seien. Diese Differenzen führten zu seiner Isolation in der politischen Landschaft Russlands und zu einem langsamen Rückzug aus der aktiven politischen Arena.
Georgi Walentinowitsch Plechanow starb am 30. Mai 1918 im Exil in das damalige Prag, nach einem bewegten Leben, das von seinem unermüdlichen Einsatz für die sozialistischen Ideale und ein besseres Russland geprägt war. Sein Erbe lebt in der marxistischen Theorie und der politischen Philosophie weiter, und seine Schriften werden heute noch von Wissenschaftlern und politischen Aktivisten studiert und diskutiert.